Wallanlagen in den Wupperbergen

Aufgrund von Fundstücken ist mittlerweile erwiesen, daß der westliche Teil des Bergischen Landes bereits in der älteren Steinzeit (Paläolithikum) besiedelt gewesen ist, d.h. daß hier einzelne Wohnplätze vorhanden waren. Der Solinger Raum selber muß spätestens in der jüngeren Steinzeit (Neolithikum) bewohnt gewesen sein, allerdings haben sich Wohnplätze oder Reste davon bis heute nicht nachweisen lassen.

Welche Zeugen gibt es denn für Vor- und Frühgeschichte? Carl Schuchardt nennt als „große, noch in der Natur erhaltene Denkmäler“ die „Ringwälle, d.h. Volksburgen, Herrenburgen und befestigten Gutshöfe, ferner Steingräber, Hügelgräber, flache Urnenfelder“ und als „kleine Denkmäler“ z.B. „Hausrat, Waffen und Werkzeuge“, die in den Museen gesammelt sind“. Des weiteren zählen dazu andere Befestigungsanlagen mit Schutzfunktion, z.B. die sog. „Landwehren“; sie stammen in Solingen allerdings erst aus dem Mittelalter (14./15. Jahrhundert); im Westen von Solingen erinnern die Ortsbezeichnungen „Landwehr“ und der Gewannenname „In der Burg“ noch heute an Befestigungsanlagen früherer Zeit.

Auch in den Wupperbergen treffen wir tatsächlich auf Wallanlagen oder Fliehburgen; die bekanntesten und zugleich markantesten sind die reste des Ringwalles und des Waldverstecks beim „Wiesenkotten“, die Wallburg zwischen „Knappen“ und „Galapa“ oberhalb von Unterburg, und der „Heidenkeller“ oberhalb von Glüder.

 

Wann sind die Solinger Wallburgen entstanden?

Die Anlagen auf Solinger Gebiet weisen Ähnlichkeiten zu Funden in Thüringen und der Rhön auf, die nachweislich von den Kelten angelegt worden. Doch mangels entsprechender Funde an den Solinger Wallburgen läßt sich dieses nicht so einfach übertragen. Julius Günther schreib 1933: „Über die Entstehung und Bedeutung der im Solinger Gebiet befindlichen Erdbefestigungen und Ringwälle…besteht…keine völlig Klarheit. Man sieht sie mangels anderer beweise als Orte an, die zur Unterbringung von Vieh und auch wohl der Menschen in begrängten Kriegzeiten angelegt sein können. Einige sind so eingerichtet, daß sie auch der Abwehr feindlicher Angriffe gedient haben mögen“

Andernorts ist man der Frage nach dem Alter der Wallburganlagen jedoch weitergekommen, wie an der Aggertalsperre und im unteren Bröltal. Ausgrabungen des rheinischen Landesmuseums ergaben, „daß diese Burgen erstaunlich stark befestigt und solide gebaut waren.Die Rennenburgwälle enthielten einen Mauerkern mit Mörtelung (ähnlich auch bei der Solinger „Galapa“).Charakteristisch für die Ringwälle ist die Spornlage, d.h. sie liegen an der Spitze von Bergzungen, die in Täler auslaufen, sodann der Kern, ein großes grabenumwehrtes Areal und der Querwälle als Vorversicherung der Burg“

Allerdings wurden die Hausanlagen innerhalb des „Kerns“  niemals bewohnt, obwohl 500 Mann mit Vieh und Troß dort Schutz hätten finden können, weshalb man vermutet, daß diese Bauwerke nur vorbeugender Art waren. Dies widerrum könnte damit zusammenhängen, daß Heinrich I 926 einen Bau gegen eindringende Ungarn anordnete, die jedoch 955 bei Augsburg auf dem Lechfeld unterlagen und diese gefahr somit gebannt war. Eine andere Theorie ordnet  einen Teil der Anlagen auch der Karolingerzeit (680-900) zu, die die Franken bei ihrem Vordringen nach Osten als Sicherheit gegen sächsische Vorstöße gebaut haben.    

Soweit die Befunde der oberbergischen Ringwallanlagen und die Deutungsversuche dazu. Ob die Solinger Wallburgen einen Parallelfall darstellen, ist noch völlig offen. Diese können im Dreißigjährigen Krieg, in der Zeit der Kämpfe zwischen Franken und Sachsen, zur römischen Kaiserzeit oder bereits von den Kelten angelegt worden sein.

Während die „Galapa“ aufgrund von Mörtelmauer-Funden auf eine Entstehung im frühen Mittelalter zurückgeführt wird, sind die Wallburgen am Wiesenkotten und oberhalb Glüder solche Funde schuldig geblieben.

WIESENKOTTEN

Auf dem letzten Drittel des zwischen Dorperhof und Jagenberg bis Wiesenkotten sich erstreckenden Höhenrückens befindet sich ein wenig geneigtes Plateau, welches an seinem Eingang durch einen Halsgraben abgeschlossen ist. Etwa 50 m SO davon liegt eine viereckige Wohngrube mit Eingang, die von einem Wallgraben umschlossen ist. An drei Seiten fällt das Gelände schroff zur Wupper und zum Wiesenkottener Bach ab. Etwa 100 m vom alten „Wiesenkotten“ entfernt in WSW Richtung – 36-40 Meter über der Wupper gelegen, befinden sich merkwürdige Vertiefungen und gebogene Gräben, deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte.

HEIDENKELLER

Die Anlage befindet sich auf der Bergnase zwischen Sengbach und Wupper gegenüber von Glüder. Auch hier fällt die Bergnase zum Sengbach hin S/SW steil ab. Reste vonWällen und Gräben lassen sich jedoch nur mit sehr viel Phantasie als solche erkennen. Sehr gut erhalten ist jedoch eine in den Fels gearbeitete viereckige Vertiefung , die Dr. Spriesterbach (RS) als vorgeschichtliche Wohngrube gedeutet hat.

Die Bezeichnung „Heidenkeller“ wird hier darauf zurückgeführt, daß sich an diesem Ort Zigeuner aufgehalten hätten, die früher allgemein als  „Heiden“ bezeichnet wurden (E.Porschke)

Der „Heidengraben“ im westlichen Teil der Anlage „Galapa“ (die auch ein Frankenlager  gewesen sein könnte) trägt seinen Namen nach einer Theorie (Vinzenz von Zuccalmaglio) seinen Namen aufgrund der Vermutung, daß Karl der Große dort gefangene Sachsen („Heiden“) verwahrt haben soll – was allerdings als wenig plausibel gewertet wird.

 

 

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