Ursprünge des Göttinnenkultes
Zunächst führte ich diesen Kult auf die Kelten zurück - doch die Geschichte reicht noch weiter zurück, nämlich bis in die jüngere Steinzeit.
Bekannt ist, zumindest für unsere Gefilde, daß um ca. 3000 v. Chr. ein fremdartiges Ostvolk nach langer Wanderung Mitteleuropa erreichte - die Bandkeramiker. Es handelte sich dabei um ein über weite Räume verstreutes Bauernvolk, die, wo sie erschienen, mit Feuer und Steinbeilen den Wald rodeten, Emmer,Nacktweizen und Einkorn anbauten und nach Erschöpfung des Bodens weiterzogen. Es handelte sich um ein offenbar friedlich, heiter in den Tag hineinlebender Menschenschlag, der sich vorwiegend vegetarisch ernährte und mit dem Kult der Großen Mutter einem blutwarmen Fruchtbarkeitsmythos anhing.
Trotzdem waren die Bandleute expansiv. Sie scheinen ihre Ausdehnung, die nicht nur auf ihre orientalische Art des Raubbaus am Boden, sondern auch ihre biologische Tüchtigkeit zurückging, mit unkriegerischen Mitteln praktiziert zu haben, indem sie vorwiegend leere Räume besetzten.
Die Herkunft dieses Volkes ist wiederum auf eine noch ältere Geschichte zurückzuführen: auf die Seßhaftigkeit bisheriger Wandervölker, der Übergang von der Jagd zum Ackerbau (von dem jedoch niemand weiß, wann sich dieser Übergang vollzogen hat). Dieser bedeutsame Akt der Menschheitsgeschichte fand im Osten statt; zwischen Kaukasus, persischen Golf und Mittelmeer. Jericho 1, die älteste bisher bekannte Stadt der Welt, deren imposante Mauern vor ca. 9000 Jahren entstanden, hat schon überwiegend von Feldbestellung und Viehzucht gelebt.
Dies rief eine schnelle Vermehrung der Bevölkerung hervor, so daß einige tausend Jahre später - nachdem die Reiche der Sumerer und Babylonier ihr Äußerstes an wirtschaftlicher Entfaltung und Rationalisierung geleistet hatten - der Boden nicht mehr ausreichte, die Überzahl an Menschen zu ernähren. Dies verursachte im 4. Jahrtausend vor Chr. eine große Wanderungswelle, in welcher namenlose Bauernvölker die die großen Ströme hinauswanderten, wie im Fall der Bandkeramiker der Donau, und fruchtbare Lößgebiet besetzten (die sie etwa 10-20 Jahre nutzten, bis der Boden erschöpft war, um dann weiter stromaufwärts zu ziehen)
Doch es gab auch einen anderen Fluchtweg, den Seeweg, dem die Entstehung der Megalithkultur zu verdanken ist (die iberische Megalithkultur begann um 2400 v. Chr.), deren stärkste Impulse freilich von Ägypten ausgingen (die Cheopspyramide entstand etwa 2700 v. Chr.).
Andererseits kennt die Forschung wesentlich ältere Beispiele dieser steinernen Grabarchitektur, wie das Häuptlingsgrab von Eynan, das vor etwa 10000 Jahren zur Zeit des ersten Ackerbaus in der Nähe des galiläischen Hule-Sees entstand. Auch die Bewohner Jericho 1 pflegten ihre Toten unter den Böden ihrer Häuser beizusetzen.
Jedenfalls wird angenommen, daß Missionare, welche die fremden Gestade mit Handelsschiffen erreichten, Einfluß auf die Bevölkerung nahmen. Das würde erklären, warum die Megalithgräber oft von Provinz zu Provinz verschieden sind, die Toten Merkmale unterschiedlichster Rassen aufweisen, und die Beigaben aus dem örtlichen Kulturkreis stammen. Man hat also den Eindruck, daß der Bau von Megalithgräbern zwar von den lokalen Gemeinwesen angenommen wurde, ohne jedoch Einfluß auf ihr sonstiges Verhalten zu haben.
Die "Religion" jener Missionare ist nur insofern bekannt, als das sie, aus dem Urerlebnis des ständigen Werdens und Vergehens geboren "im Schatten einer großen Mutter- und Todesgöttin" stand und um einen machtvollen Jenseitsglauben kreiste. Dieser Glaube fiel bei den unterentwickelten Völkern des damiligen Europa auf fruchtbaren Boden (bei denen die Vorstellung vom lebenden Leichnam und mütterlichen Prinzip schon seit dem Paläolithikum - Stichwort Höhlenbestattungen - nicht fremd war) Neu waren die konkreten Jenseitshoffnungen, die die neue Religion bot, ihre magischen Vorkehrungen und Rituale, die gleichsam ein System darstellten, durch das man sich ewiges Leben sichern konnte
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