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Der Glaube der Kelten                

 

 

Zu den tatsächlichen Glaubensvorstellungen der antiken Kelten haben wir nur wenige Informationen. Caesar berichtet uns, daß die Druiden, über die weiter unten noch gesprochen werden wird, die Lehre verbreiteten, daß die Seele des Menschen nach dem Tod nicht sterbe, sondern vom einen zum anderen wandere. Ob dies einen Glauben an eine Wiedergeburt in dieser Welt bedeutet, oder jedoch einen Glauben an ein Neues Leben in einer anderen Welt, läßt sich daraus leider nicht klar ableiten.

Aber es ist gesichert, daß die Kelten glaubten, der Tod bedeute nicht das Ende, sondern lediglich der Anfang von etwas Neuem. Deshalb fürchteten die Kelten den Tod nicht. Caesar hat den Unsterblichkeitsglauben der Seele als wesentlichen Bestandteil der Druidenlehre bezeichnet und hier die Ursache für die von vielen antiken Autoren teils bewunderten, teils als barbarisch tollkühn verurteilte Kriegswut und Todesverachtung der keltischen Krieger gesehen.

Jedoch hatte die Natur bei ihnen eine ganz besondere Bedeutung. Ursprünglich verehrten die Kelten ihre Götter in Form von Naturerscheinungen, also Quellen oder Felsen. Erst später, nach dem Kontakt mit anderen Kulturen, erhielten sie menschliche Gestalt. Die Orte, die man früher als göttlich verehrte, wurden zu heiligen Plätzen, an denen Rituale durchgeführt wurden. Deshalb findet man solche Heiligtümer oft an Quellen, auf Hügeln oder in Eichenhainen.

Die Kelten verwandelten ihre Andachtsplätze fast nie in steinerne Tempel, sondern verwendeten lieber natürliche Abgrenzungen wie etwa Bäume oder Seeufer, um die heiligen Plätze von der übrigen Welt abzugrenzen. Wenn die Kelten Heiligtümer bauten, dann waren diese entweder zum Himmel offen, wie die hölzernen Terrassen in der Nähe des Seeufers in La Tène, oder sie waren aus Holz und Stroh, wie der Mittelteil von Navan Fort im Country Armagh (Irland).Haine waren Plätze, um Götter und Geister anzurufen. Das keltische Wort für den „heiligen Hain“ war NEMETON, und es war in der ganzen keltischen Welt verbreitet. Der griechische Autor Strabo (64 v. Chr. Bis 21 n.Chr.) schrieb, daß sich die galatischen Kelten jedes Jahr an der DRUNEMETON (Heilige Eiche) trafen, um wichtige religiöse und politische Entscheidungen zu treffen. Dieser Wortstamm kommt auch in Arnametia (lokale Gottheit e. Brit. Stammes) und im Namen des keltisch-römischen Gottes Mars-Rigonemetis vor, dem „König des Heiligen Hains“. Heilige Landschaften wuren oft nach jener Gottheit benannt, der sie geweiht waren, wie etwa der Ardenner Wald (Grenzbereich Frankreich/Belgien/Deutschland) seinen Namen der keltischen Göttin Arduinna zu verdanken hat.

Die Natur war für sie voller sagenhafter Geschöpfe und Geister. Die Götter waren allgegenwärtig und konnten in verschiedenen Gestalten erscheinen. So erklärt es sich, daß die Menschen im keltischen Siedlungsraum sehr religiös waren.
Viele der religiösen Bräuche waren geheim und wurden nur von den Druiden durchgeführt. Andere erforderten die Mithilfe des gesamten Stammes und gaben so auch den einfachen Menschen Einblick in die Riten. Auf diese Weise konnten sie mit den Mythen und den alten Geschichten zusammen überliefert werden. Auch archäologische Funde vervollständigen unser Bild über die keltische Religion, auch wenn man dabei nicht wirklich von Vollständigkeit sprechen kann. Ebenso wie in vielen anderen Kulturen, so brachten auch die Kelten ihren Göttern Opfer dar. Die einzelnen Götter konnten bestimmte Naturgewalten verkörpern. Natürlich beeinflußte das die Art der Opferung. Den Gottheiten, die zum Beispiel mit dem Wasser in Verbindung standen, brachte man die Opfer dar, indem man Gegenstände ins Wasser warf. Manche Gaben wurden verbrannt und wieder andere in der Erde vergraben.

Gründe für diesen Kult gab es viele. So konnte der Betende zum Beispiel um Hilfe oder Schutz bitten. Er konnte die Götter aber auch herbei rufen, um Zeuge eines besonders wichtigen Schwures oder Versprechens zu sein. Aber auch Verwünschungen waren auf diese Weise möglich. Man schrieb sie nieder und vertraute sie während eines Rituals zusammen mit den Opfergaben der angerufenen Gottheit oder einem anderen übernatürlichen Wesen an. Geopfert wurde alles was wertvoll oder teuer war: Schmuck, Waffen, Kunstgegenstände, Tiere und in besonderen Fällen sogar Menschen. In den letzen Jahrhunderten wurden in den Mooren Nordeuropas immerwieder Moorleichen gefunden. Nach eingehenden Untersuchungen fand man heraus, daß die Leichen überwiegend aus der ausgehenden Keltenzeit stammten und daß manche von ihnen so getötet wurden, daß man annehmen kann es stecke ein Ritus dahinter. Möglicherweise waren sie Opfer an die Götter, um ihre Hilfe gegen einfallende fremde Völker (speziell gegen die Römer) zu erflehen.Aber auch Dinge, welche die Kelten in der Schlacht erwarben, brachte man zum großen Teil als Zeichen des Dankes den Göttern des Krieges dar. Neben Waffen, Schilden und Rüstungen konnten dies auch die Schädel der gefallenen Gegner sein.

Der Schädel war den Kelten heilig. Nach ihrer Vorstellung war er der Sitz der Seele. Häufig trennten die Krieger ihren Feinden die Köpfe ab und nahmen sie mit. Es waren Trophäen, die ihren Mut bewiesen und von ihren Siegen kündeten aber es war noch viel mehr als das. Die Geister der Getöteten konnten sich nicht gegen denjenigen richten, der ihre Schädel besaß. Vielmehr gehörten ihm nun die Kraft und die Weisheit der Toten. So war ihr Besitz in gewisser Weise ein Schutz, doch man verehrte sie mitunter auch. Ganze Schreine voller Schädel wurden zu ihrer Verehrung errichtet. So wurde der Totenschädel auch zu einem wiederkehrenden Motiv in der keltischen Kunst.

 

Zusätzlich zu diesen geringen Informationen über die allgemeinen Glaubensvorstellungen kennen wir vor allem keltische Götternamen, wissen aber relativ wenig über deren Funktionen. Es sind über 400 verschiedene Namen bekannt, was aber nicht unbedingt bedeuten muß, daß es sich tatsächlich um 400 verschiedene Götter handelte. Tatsächlich erscheint es eher so, als ob es sich in vielen Fällen nur um Beinamen der Götter handelt, so wie griechische oder der römische Götter ebenfalls eine große Anzahl von Beinamen aufweisen, die oft genug alleine auftreten, wie z.B. Dispater oft allein und nicht in Zusammenhang mit seinem Hauptnamen Iuppiter aufscheint.

Nun aber kurz zu den bedeutenderen Göttern. Als bedeutendsten Gott der Gallier bezeichnet Caesar Merkur, den Gott des Handels und der Künste. Der keltische Name für diesen Gott war wahrscheinlich Lugos, der nicht nur im Namen sondern vermutlich auch in der Funktion mit dem irischen Lugh gleichzusetzen ist. Des weiteren gab es einen Gott des Krieges, den Caesar mit Mars gleichsetzt. Dieser Gott war vermutlich auch für den Stamm zuständig, sein Keltischer Name dürfte Teutatis gelautet haben. Dann gab es einen bedeutenden Wetter- und Himmelsgott, Taranis, der vermutlich auch der Gott der Unterwelt war, ihn vergleicht Caesar mit Dispater. Dazu gab es einen Gott des Waldes und der Wildnis, Esus oder Cernunnos genannt, dargesteellt mit Hörnern auf dem Kopf, und eine Sonnen- und Feuergott, Belenos genannt. Des weiteren gab es eine weibliche Gottheit, die oft in dreifacher Gestalt auftrat, und die uns in den römischen Inschriften of als Dea Matrona oder in ihrer Dreigestalt als Deae Matronae entgegentritt, und die gut mit der irischen Landesgöttin/Muttergöttin Eriu (mit ihren anderen Formen als Fotla und Banba ebenfalls dreigestaltig) vergleichbar ist/sind. Diese weibliche Gottheit hatte lokale Namen/Beinamen, so können wir diese Gottheit für den Stamm der Sequani identifizieren, sie hieß Sequana und war vermutlich aucch eine Wassergöttin, der Name Seine leitet sich von ihr ab, oder für den Stamm der Noriker die Göttin Noreia. Zusätzlich zu diesen Hauptgöttern gab es aber vermutlich noch andere Götter und Göttinen wiee einen jugendlichen Gott namens Maponos (Gleich dem walisischen Mabon ap Modron) oder die Pferdegöttin Epona (vergleichbar mit der walisischen Rhiannon).

Die Leitung der religiösen Handlungen hatte eine Schicht über, die gerne als die keltischen Priester angesehen wird, obwohl sie auch noch andere Funktionen hatten, die Schicht der sogenannten Druiden. Diese waren neben ihrer Funktion alss Zeremonienmeister und Priester bei den religiösen Riten aber auch noch Richter, Berater in politischen Angelegenheiten und Mediziner. Sie waren vermutlich in einer Art "Orden" organisiert, zumindest die Druiden Galliens wählten jeweils ein Oberhaupt bei einem jährlichen Treffen im Gebiet des Stammes der Carnuten, das als Mittelpunkt Galliens angesehen wurde (sakrales Zentrum). Die Herkunft des Druidentums liegt, laut dem Bericht Caesars, jedoch nicht in Gallien, sondern in Brittanien, und nach dort muß man gehen, um diese Kunst in ihrer höchsten Reinheit zu erlernen. Ob dies einen ähnlichen Mythos darstellt wie die Ausbildung im fremden Land (zumeist Alba, Schottland) in den irischen Sagen, oder ob es sich hier um eine historische Tatsache handelt läßt sich leider heute nicht mehr feststellen. Die britischen Druiden jedenfalls hatten, zumindest nach der Eroberung Galliens durch die Römer aber vermutlich auch schon davor, ein eigenes "Kultzentrum" auf der Insel Anglesey vor der walisischen Küste.

Die Ausbildung der Druiden war eine langwierige Angewohnheit, die bis 20 Jahre dauern konnte und wurde vermutlich schon in früher Kindheit begonnen. Die Druiden lernten sowohl die religiösen Lehren, als auch die Sagen und Legenden und Geschichte ihres Volkes und vermutlich auch die Rechtsbestimmungen und andere Dinge auswendig, da die Druiden gegen die Niederschrift religiöser Bestimungen und Erzählungen waren.

Ebenfalls in den Bereich der religiösen Organisation dürften die Barden und die Vates gehört haben. Die Barden waren Geschichtenerzähler und Dichter, die vermutlich die Geschichte des Stammes weitergaben und Lob- und Schmähdichtungen auf den Stamm und seine Feinde verfaßten. Sie sind in ihrer Funktion vermutlich ident mit den irischen Barden oder Filid. Die Vates dürften Opferpriester und Wahrsager gewesen sein, die aus dem Tieropfer und aus anderen Zeichen die Zukunft vorhersagten.

Alle diese Berufe, die vermutlich generell zur geistigen Elite des Stammes zu rechnen sind, waren hoch angesehen. Zumindest die Druiden, aber möglicherweise auch Barden und Vates waren vom Kriegsdienst freigestellt und Steuerbefreit und wurden mit höchster Hochachtung betrachtet. Von den Druiden wird berichtet, daß sie zwischen kampfbereite Armeen schreiten konnten und diese dazu bewegen, wieder nach Hause abzuiehen, ohne anderen Druck auszuüben als ihre sakrale Autorität. Caesar berichtet uns auch, daß die schwerste Strafe in Gallien der Ausschluß von den religiösen Handlungen wäre, eine Strafe, die vermutlich auch nur von den Druiden verhängt werden konnte.

 

 


 

 

 

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