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Das Sozialwesen der Kelten              

 

Zur sozialen Organisation der keltischen Bevölkerung im Altertum stehen uns nur wenige Quellen zur Verfügung. Caesar, die primär in dieseem Zusammenhang zitierte Authorität, berichtet uns, daß es in Gallien nur drei Schichten von Menschen gab. Die erste waren die Druiden, die Recht sprachen, die religiösen Zeremonien leiteten und Wahrsagten sowie Beraterfunktion im Staatswesen hatten. Die zweite waren die Ritter, die die kriegerische Elite darstellten und die Führung der Stämmen in politischen Belangen überhatten. Die dritte war das einfache Volk, das in Abhängigkeit des Adels stand und fast keine eigenen Rechte hatte. Dieses Bild kann jedoch durch die Archäologie nicht hundertprozentig unterstützt werden, es scheinen sich mehr soziale Schichten abzuzeichnen. Auch kommt man, wenn man die Berichte der antiken Autoren mit den archäologischen Ergebnissen und den insularen Überlieferungen von Rechtstexten vergleicht, zu einem Bild, das sich mit Caesars Bericht nur zum Teil deckt.

Tatsächlich scheint die Basiseinheit der keltischen Bevölkerung schon im Altertum eine Gruppe gewesen zu sein, die der irischen Fine, einer Art Großfamilie, entspricht. Diese dürfte ein Familienoberhaupt besesssen haben, das dem irischen Ceannfine (Kopf der Familie) entspricht, und der sich in kleineren Gräberfeldern in Böhmen als die einzige Person in einer Generation abzeichnet, die ein Schwert als Grabbeigabe aufweist. Diese Familieneinheiten standen vermutlich in einem Klientelverhältnis, in seinen Formen vergleichbar dem irischen Clientship-System, zu einem oder mehreren niedrigrangigen Adeligen, die wiederum waren auf ähnlicher Basis mit mittleren Adeligen verbunden, die ihrerseits mit höheren Adeligen verbunden waren. Diese höheren Adeligen sind es dann, die Caesar in seinem gallischen Krieg als Verbündete und gegner entgegentreten und die um die Führung der einzelnen Stämme streiten.

Aus der Schicht des höheren und höchsten Adel stammten vermutlich auch die Magistratsbeamten, die Caesar für mehrere Stämme beschreibtt, und diese Personen bildeten vermutlich auch den Stammessenat und wählten gegebenenfalls aus ihrer Mitte einen König. Für die politische Organsisation dürfte es hierbei wichtig gewesen sein, wieviele Klienten und Anhänger ein derartiger Hochadeliger aufbringen konnte, um seinen Standpunkt zu unterstützen. So berichtet uns Caesar, daß sich der Helvetier Orgetorix, der des Verrats am Stamm angeklagt war, seiner Verurtteilung dadurch entziehen konnte, daß er seine Klienten und Anhänger, über 10000 Personen, zu seiner Hilfe mobilisierte.

Die politische Führung der Stämme lag entweder in den Händen eines Königs, der vermutlich aus den Schichten des höchsten Adels gewählt wurde, oder ein Senat, der aus eben diesen höchsten Adeligen bestand. In einigen Fällen konnte auch ein Doppelkönigtum festgestellt werden, bei dem entweder der eine König der sakrale, der andere jedoch der weltliche Führer ist, oder auch der eine für die Innenpolitik, der andere für die Außenpolitik zuständig ist, oder sie sogar als Ersatz füreinander gedacht  waren.

 

 

Die keltische Wirtschaft basierte auf Ackerbau und Viehzucht.  Auf kleinen, umzäunten Äckern wurden Getreide (Emmer, Dinkel, Gerste, Hirse) und Leguminosen (Saubohnen, Erbsen, Linsen) angebaut. Bekannt waren u. a. Löwenzahn, Brennnessel, Rübe, Rettich, Sellerie, Zwiebel und Kohl. Aus archäologischen Funden (Speiseresten) in Hallstatt lässt sich etwa ablesen, dass die Kelten ein noch heute in Österreich übliches Gericht gegessen haben, „Ritschert“, einen Eintopf aus Rollgerste und Bohnen.
Da das lateinische Wort für Bier (cervisia) ein keltisches Lehnwort ist, wird vermutet, dass die Kelten das Brauen beherrschten. Aus archäologischen Funden, z. B. von Hochdorf und dem Glauberg, ist Honigmet als alkoholisches Getränk nachgewiesen.
Wichtigstes Haustier war das Rind, welches neben der Lieferung von Fleisch, Milch (Käse) und Leder auch unabdingbar bei der Ackerbestellung war. Der Reichtum eines Kelten wurde in der Anzahl seiner Rinder gemessen. Daneben wurden Schafe (Wolle) und Schweine gehalten; Hunde kannte man ebenfalls als Nutztiere (Hüte- und Jagdhunde). Pferde waren ein Statussymbol und bei Kriegszügen wichtig und wurden wahrscheinlich von einigen Stämmen intensiver gezüchtet.
Von Bedeutung für die keltische Wirtschaft war auch der Bergbau.  Dabei ist die Gewinnung von Salz aus Bergwerken hinreichend nachgewiesen. Die Eisengewinnung und -verhüttung ist zu vermuten. Es fehlen hier aber aus den Mittelgebirgen meist die letzten Beweise eines eisenzeitlichen Eisenabbaus.
Aufgrund der reich ausgestatteten Hügelgräber der späten Hallstattzeit („Fürstengräber“) kann vermutet werden, dass die Gesellschaft auf lokaler Ebene einem „Fürsten" unterstand. In der späten La-Tène-Zeit hatten sich weiträumige politische Strukturen entwickelt.
Die keltischen Stämme auf dem Kontinent übernahmen das Geldwesen von Griechen und Römern, prägten aber eigene Münzen lediglich zum Informationsaustausch, wie heute vermutet wird. Grabfunde zeugen noch heute von dem ausgedehnten Handel der Kelten mit allen Völkern des antiken Europa. Exportiert wurden u. a. Eisen, Zinn, Salz, Holz, Flachs, Wolle, Waffen, Werkzeuge, Prunkwagen, Textilien, Schuhe. Importiert wurden vor allem Glas, Wein und andere Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum.
Entlang der wichtigsten Handelsstraßen entstanden keltische Oppida;  das sind befestigte städtische Siedlungen. Durch jahrzehntelange Ausgrabungen in mehreren Ländern sind einige Oppida heute besser bekannt. Einige guterforschte Oppida von Ost nach West:
Tschechien: Stradanice, Zavist.
Österreich: Magdalensberg
Deutschland: Manching, Wallendorf, Martberg
Schweiz: Bern-Enge, Basel-Münsterhügel
Luxemburg: Titelberg
Frankreich: Bibracte, Alesia.
In einigen dieser Oppida dauern die Ausgrabungen weiterhin an. Aus zahlreichen weiteren Oppida liegen Ergebnisse aus kleineren Grabungskampagnen vor. Das populäre Bild eines keltischen Oppidums wird jedoch im Wesentlichen durch die Ergebnisse in Tschechien, Manching und Bibracte geprägt.

 

 

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