Bestattungsbrauch der Kelten
Sowohl Körper- als auch Brandbestattung wurden während der Latenezeit praktiziert. Der Bestattungsritus war dahingehend, daß die Reste des Toten ins Grab gegeben wurden, und dazu all jene Dinge, die als angemessen für ihn betrachtet wurden (Ob dies nun angemessen war, weil der Tote diese Dinge in einem Leben nach dem Tode brauchen würde, oder weil es eine Geste der Ehrerbietung war, oder ob man diese Gegenstände ihm mitgab, weil sie bekannterweise zu seinem engsten persönlichen Besitz gehört hatten und für jeden, der sie später benutzen wollte, mit einem bösen Omen belegt waren, muß dabei offenbleiben). Dies war normalerweise seine Kleidung und Bewaffnung, sowie einige Gefäße, vermutlich mit Vorräten von Speisen und Getränken.
Die Gräber selbst waren oft von einem Zaun oder einer Palisade umgeben, wohl um den Bereich zu markieren, der den Besitz des Toten markierte, das Grab selbst in manchen Fällen gar nicht, oft aber auch durch einen Pfahl oder sogar durch ein daräber errichtetes Gebäude gekennzeichnet.
Der Bestattungsritus selbst ging wohl so vor sich daß zuerst das Grab bereitet wurde, dananch der Tote aus dem Dorf in einem Trauerzug zum Grab gebracht und dort, unter vollzug der entsprechenden Rituale durch einen Druiden, begraben wurde. Vor, während oder nach der Bestattung wurde ein Leichenschmaus im abgezäunten Bereich des Grabes abgehalten. Nach dem Abschluß dieser Feierlichkeiten kehrte man ins Dorf zurück.Aufgrund des Glaubens der Kelten an ein Leben nach dem Tod (Reise in die Anderswelt) kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, das das Grab später auch wieder aufgesucht wurde, zumindest zu den Festtagen Beltane und Samhain, um dort mit den "aufgestiegenen" Verstorbenen zu feiern.
Reisen in die Anderswelt
Der Glaube an ein Leben nach dem Tod war in der keltischen Religion sehr wichtig. Es gab wahrscheinlich kein System der Bestrafung oder Belohnung nach dem Tod, die klassischen Kommentatoren vermuten aber wegen der Fruchtlosigkeit keltischer Krieger, daß sich diese auf eine Wiedergeburt nach dem Tod freuten.
Dieser Ort, an den die Verstorbenen gelangten, wird als unirdische Region, als Anderswelt, in der übernatürliche Wesen und Untiere lebten, beschrieben. Die Grenzen dieses Landes waren fließend und alle Sterblichen konnten sie überqueren und die Anderswelt betreten. An verschiedenen Tagen jahreszeitlichen Wechsels wie Beltane und Samhain verschwanden diese Grenzen ganz. An diesen Tagen konnten die Bewohner der Anderswelt die Sterblichen erreichen. Sie stiegen aus den vorkeltischen Grabhügeln und anderen Begräbnisstätten, die man als Eingänge zur Anderswelt betrachtete. In der keltischen Literatur waren Ausflüge in die Anderswelt wichtige narrative Elemente. In Irland bezeichnete man die Bewohner dieses Reiches als "Tuatha Dé Danaan" (Volk der Göttin Danu), die in Tir na n Óg (Land der Jugend) oder Tir na mBeo (Land der Frauen) lebten.
Weil der Tod keine Voraussetzung für den Eintritt in die Anderswelt war, erzählen manche Geschichten von sterblichen Frauen, die als Bräute für Anderswelt-Männer entführt wurden. Helden betraten diese geheimnisvollen Reiche, und nicht alle kehrten wieder zurück. Meistens wurden diese mysteriösen und schönen Welten in der Gegend antiker Grabstätten angesiedelt, doch wurden auch idyllische Anderswelt-Inseln jenseits großer Meere beschrieben, wie "Emhain Abhlach" (Region der Äpfel) oder "Mag Mell" (Ebene der Freude). Die irischen "Immrama-Erzählungen beschreiben Seefahrten zur Anderswelt: Kleine Gruppen von Helden oder Heiligen besuchten eine Reihe von Inseln, auf denen in Abenteuern ihre Intelligenz und ihre Tapferkeit auf die Probe gestellt wird; es gab seltsame Bestien wie monströse Katzen, Quellen aus denen Wein sprudelte und exotische Vögel auf immerwährend früchtetragenden Bäumen. Wieder andere Inseln wurdn von wunderschönen Anderswelt-Frauen bewohnt.
Auch die Literatur und Tradition in Wales zeugen von einem starken Glauben an eine mythologische Anderswelt. Die mittelalterlichen "Mabinogi-Erzählungen" berichten vom Helden Pwyll der mit Arawan, dem König von Annwn (der Anderswelt), Plätze tauschte. Seine Reise in die Anderswelt wurde von Arawn unterstützt, indem er ihn von magischen rotohrigen Hunden geleiten ließ. Gerald von Wales, ein Reisender und Geschichtsschreiber aus dem 12. Jhd. erzählt von einem Mann, der als Knabe ein wunderschön sonnenloses Reich besucht harrw, dessen einwohner nie logen und nur Safran und Milch zu sich nahmen. Der Junge verletzte die Regeln dieser magischen Welt, indem er einen goldenen Becher stahl. Als Strafe fand er den Eingang zu diesem Ort nie wieder.
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